Serfaus Geschichte
Serfaus - eine uralte Siedlung
Will man den Siedlungsgang auf dem Sonnenplateau voll
verstehen, muss man ihn in einen größeren Zusammenhang hineinstellen. Der Raum
von Landeck ist in die ältest besiedelten Gebiete des „Landes im Gebirge"
einzureihen. Der Stand der heutigen Forschung erlaubt es noch nicht, ein
endgültig fertiges Bild zu zeichnen. Orts- und Flurnamen sowie verschiedene
Funde sind die wichtigsten Quellen, die eine grobe Beschreibung des
Besiedlungsganges ermöglichen. Behauptungen, dass der Alpenraum in
vorgeschichtlicher Zeit als lebensfeindlich und abschreckend gegolten habe, sind
längst überholt. Verschiedene Funde im Alpenraum lassen die Annahme zu, dass die
Besiedlung bereits im 3. vorchristlichen Jahrtausend begonnen hat.
Sichere Zeugnisse für ansässige Leute im Bezirk Landeck gehen
in die frühe (1800—1550 v. Chr.) und mittlere Bronzezeit (1550—1200 v. Chr.)
zurück. Das Gebiet gehörte damals zur sogenannten Straubinger Kultur und machte
die Entwicklungen im unmittelbar nördlich gelegenen Alpenvorland mit. Dieser
Zustand dauerte auch noch in der älteren Urnenfeldzeit (nach 1200 v. Chr.) an.
Die entscheidende Verkehrsverbindung nach Süden ging während dieser
Kulturzugehörigkeit durch das Schweizer Inntal und das Tessin, während der
Reschen noch keine besondere Rolle spielte. Etwa um 1000 v. Chr. reißen die
Beziehungen des Landecker Raumes zum Engadin und Tessin ab, da eine von Süden
kommende Welle der Melauner Kultur die Alpenpässe öffnete (jüngere Urnenfeldzeit
bis 800 v. Chr.). Urnenfelder wurden unter anderen in Stanz, Perjen, Prutz,
Ladis und Flirsch freigelegt. In der Hallstatt-Kultur (800—500 v. Chr.) lassen
sich Beziehungen des Landecker Raumes zu den Hallstatt-Leuten im
bayrisch-österreichischen Grenzgebiet sowie zu den im Süden sitzenden Venetern
erkennen. Der Reschen scheint an Bedeutung immer mehr zu gewinnen. Im Gefolge
des Keltensturmes (La-Tene-Zeit 500—15 v. Chr.) flüchteten Etrusker und Veneter
in den Alpenraum. Die Besetzung des Alpenraumes durch die Römer (15 v. Chr.) ist
eindeutig belegt. Der Bau der Via Claudia Augusta hat das Gebiet dem römischen
Handel und Verkehr erschlossen und den Romanisierungsprozeß eingeleitet.
Bis zur Germanisierung im 11. Jahrhundert lassen sich im
Landecker Raum drei Hauptschichten der Besiedlung unterscheiden. Die älteste ist
die veneto-illyrische Schicht. Namensforschungen weisen die Ortsnamen Prutz,
Nauders, Tösens und Ladis illyrisch-venetischem Ursprung zu. Gewisse Spuren, so
zum Beispiel die Familiennamen Mungenast, Jenal und Tschuggmall, weisen in eine
noch frühere Zeit zurück, wenn auch diese Ansätze für das älteste
vorgeschichtliche Volkstum vorsichtig zu werten sind. Als zweite
Siedlungsschicht lässt sich eine keltische nachweisen. Von Landeck nach Westen,
also gegen Graubünden und Vorarlberg, nehmen keltische Wortwurzeln zu. Aus dem
keltischen Sprachbereich stammt das weit verbreitete Wort Thaja == Almhütte, ihm
liegt die keltische Bezeichnung „attegia" zugrunde. Namen wie Perjen = Brücke,
Gallmigg = kahler Bergrücken, Trisanna = die sehr schnell Laufende haben
ebenfalls keltischen Ursprung.
Es spricht sehr viel dafür, dass die Sonnenterrasse schon zur
Zeit der Illyrer und Kelten besiedelt war. Auf Grund von Ausgrabungen und Funden
ist klar erwiesen, dass ähnliche Hochflächen schon in vorrömischer Zeit
Siedlungen und Befestigungsanlagen getragen haben. Ganz allgemein sind die vor
Überflutung sicheren Höhen früher besiedelt worden als die Talsohlen. So darf
angenommen werden, dass die Römer auf der Sonnenterrasse auf ansässige Siedler
gestoßen sind. Damit sind wir bei der dritten Siedlungsschicht des Landecker
Raumes.
Die Römer sind früher über den Reschen- und Fernpaß gezogen
als über den Brenner. Ein Fund von zwei Römermünzen in Serfaus, deren eine der
Zeit des Kaisers Vespasian (69 bis 79 n. Chr.) und deren andere der Zeit des
Kaisers Trajan (117 bis 137 n. Chr.) angehört, bezeugt, dass schon in den
Anfängen der Römerherrschaft eine Straße über Serfaus führte. Diese Straße — die
Via Claudia Augusta — verlief von Verena über Trient, Etschtal aufwärts über das
Reschenscheideck in das Inntal und weiter über den Fernpaß nach Augsburg, der
Hauptstadt der von den Römern so bezeichneten Provinz Rätien.
Die Römer legten ihre Straßen entlang der schon vorhandenen
landesüblichen Wege und Furten an, wobei vom Wasser gefährdete Talsohlen
gemieden und die sonnigen Höhen aufgesucht wurden. Daher führte die Via Claudia
Augusta oberhalb der Enge von Pontlatz zum heutigen Ladis und nach Fiß und
Serfaus empor. Ein wichtiger Hinweis dafür ist der Name Pontlatz (urkundlich
1329 Pontlaudesprukk, 1558 Brukke ze Puntlaucz). Pontlatz stammt von der alten
Bezeichnung „Pons de Landes" und bedeutet Brücke von Ladis. Spuren dieses alten
Verkehrsweges, der noch bis ins Mittelalter dem Fernverkehr diente, sind heute
noch erhalten, vor allem ist die Brücke mit Gewölbebogen bei Tösens zu erwähnen.
Die römischen Alpenstraßen waren oft sehr steil und für den Verkehr nicht
ungefährlich. Der römische Schriftsteller Strabo schreibt einmal, dass manche
Alpenstraßen so steil und abschüssig seien, dass ein Römer, der zum ersten Mal
ins Gebirge kommt, in Schrecken und Entsetzen gerät.
Es war bei den Römern üblich, die bereits ansässige
Bevölkerung im Alpenraum zur Unterstützung und Hilfeleistung in jeder Hinsicht
zu verpflichten. Dazu gehörte die Stellung von Verpflegung und Futter, die
Bereitstellung von Fahrzeugen, Tragtieren und Trägern sowie die Erhaltung von
Straßen und Brücken. Das setzt aber eine oder mehrere Siedlungen voraus, und
diese boten sich nur auf der Sonnenterrasse. Demnach muss also schon vor dem
Auftauchen der Römer in Serfaus eine Bauernsiedlung bestanden haben. Nach der
Überlieferung stand an der Stelle des heutigen Kirchturms ein römischer
Wachturm. Die Ureinwohner von Serfaus, von den Römern Räter genannt, und ihre
Kultur sind in der Landnahme der Römer und deren Kultur aufgegangen.
Quelle: Fremdenverkehrsverband Serfaus
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